Ostern

 

Jesus Christus spricht:

Ich war tot,

und siehe,

ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit

und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. - Off 1,18

Die Botschaft ist klar.

Sie ist so eindeutig positiv, dass sie zu unserer Krise überhaupt nicht zu passen scheint.

Es ist der lebendige Herr, der diese frohe Botschaft triumphierend der ganzen Welt zuruft.

Es ist sein Triumph: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig …

Er begründet unsere Hoffnung: … und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Denn wer die Schlüssel hat, kann auf- und zuschließen.

Und ER will aufmachen – so viel wissen wir von ihm aus der Heiligen Schrift.

So vielen hat er damals und seitdem die Tür zum Leben aufgeschlossen, zu einem neuen Leben im Hier und Jetzt, zu einem Leben, das sich als Gottes Geschenk, als Geschenk seiner Liebe versteht.

So vielen wird er noch die Tür zum ewigen Leben aufschließen - mit ihm hier und dereinst dort.

Seine Botschaft für dieses Fest, für diesen Tag, für unser Leben lesen wir.

Wir lesen sie zu Hause.

Wir lesen sie im Stillen.

Wir lesen sie für uns allein.

Dabei drängt seine Botschaft danach, laut gesprochen zu werden, im Gottesdienst gefeiert zu werden.

Sie ist so unglaublich, so eindeutig positiv.

Sie bezeugt den Triumph über den Tod, den härtesten Gegner, den letzten Feind (1 Kor 15,26), der uns Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Ja, der uns das Leben nehmen und es vorher schon verdunkeln, einengen, der Freiheit, der Hoffnung, sogar der Liebe berauben will.

FensterDie Fenster im Chorraum unserer Christuskirche übertragen diese Botschaft ins Bild.

Sie zeigen in drei Szenen, was am Ostermorgen erfahren wurde.

Sie führen uns vor Augen, welche Botschaft unseren Glauben begründet.

Die Fenster sind immer da – Tag und Nacht.

Aber nur wenn ein neuer Tag beginnt, wenn Licht von außen durch sie hindurch bricht, fangen sie an, zu leuchten und ihre Botschaft auszubreiten.

Wer im Hellen in die Kirche kommt, kann sie vom Eingang aus sehen. Sie ziehen die Blicke auf sich. In kräftigen, leuchtenden Farben holen sie die frohe Botschaft in den großen Raum.

Der erste Blick fällt auf Christus. Er ist die Mitte.

Um ihn geht es in allen drei Fenstern, auch wenn er nur im mittleren zu sehen ist.

Nein, der Blick fällt nicht auf ihn. ER zieht unsere Augen und damit unser Haupt zu sich empor. Denn hoch erhaben dominiert er den Chorraum. Er tritt auf uns zu und richtet uns auf.

Seine Rechte streckt er uns entgegen, als wollte er sagen: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig ...

Das Wundmal in der Hand ist noch da, als wollte er sagen: Ich bin es wirklich, Jesus, der Gekreuzigte.

Seine Linke hält einen Stab fest, an dessen oberen Ende eine weiß-rote Fahne im Wind weht.

Es ist die Fahne des Sieges, des Triumphes über den Tod.

Sie erinnert mich an eine Strophe aus unserem Gesangbuch:

Er war ins Grab gesenket, / der Feind trieb groß Geschrei;

eh er´s vermeint und denket, / ist Christus wieder frei

und ruft Viktoria, / schwingt fröhlich hier und da

sein Fähnlein als ein Held, / der Feld und Mut behält. (eg 112,2)

Christus führt uns Gottes Sieg über den Tod vor Augen. Aus dem offenen Grab kommt er uns entgegen. Er sieht uns an. Sein Haar ist lang, als hätte auch er eine Weile auf den Friseur verzichten müssen.

Ein Heiligenschein umgibt sein Haupt – Zeichen, dass Gottes Geist ihn erfüllt und bestimmt, ihn belebt und bestärkt, ihn antreibt und uns Hoffnung schenkt.

Das Fenster lässt uns nach draußen sehen.

Draußen vor den Toren der Stadt befanden sich sein Kreuz und sein Grab.

Nach draußen dürfen wir gehen in dieser befremdlichen, schwierigen Zeit des Abstandhaltens.

Am Ostermorgen hatten sich zwei Frauen miteinander verabredet – Maria Magdalena und die andere Maria, so erzählt es Matthäus. Als der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen sie, um nach dem Grab zu sehen (Mt 28,1).

Das linke Fenster erinnert uns daran. Die Trauer um Jesus ist den Frauen ins Gesicht geschrieben, ihre Haltung gebeugt. Ein Gefäß mit wohlriechendem Salböl hält die eine Maria in ihrer Hand. Sie wollen Jesu Leichnam salben, ihm einen letzten Liebesdienst erweisen.

Vielen Menschen fällt es in diesen Wochen schwer, zuversichtlich zu bleiben. Sie sehen, was alles verboten ist. Auch wir leiden darunter, liebgewordene Gewohnheiten, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, aber auch scheinbar selbstverständliche Tätigkeiten in unserem Beruf oder in unserem ehrenamtlichen Engagement nicht mehr ausüben zu können. Schlimmer noch: Täglich hören, lesen und sehen wir, wie der Tod durch das Virus auf der ganzen Erde immer mehr Menschen ereilt. Wir sorgen uns um uns selbst, aber auch um Menschen in unserer Familie und unserer Gemeinde. Wir versuchen, sie zu ermutigen – wenigstens durch Anrufe, Besorgungen und Dienste, die wir ihnen abnehmen. Wir beten für sie, wenn uns sonst in vielem, was wir gern tun würden, die Hände gebunden sind. Wir leiden da-runter, einander nicht mehr die Hand geben, einander nicht mehr umarmen, einander nur noch auf Ab-stand grüßen zu können.

Zu zweit sind die beiden Frauen unterwegs. Geteiltes Leid, ist halbes Leid. Auch daran erinnert mich das Fenster auf der linken Seite. Die triste Wirklichkeit unseres Lebens, die Sorgen, die Trauer, die Schwere des Alltags – sie sind in dem Fenster mit den beiden Frauen versammelt –, so wie sie auch in unserer Kirche viel Platz haben: im Kreuz auf dem Altar, im Kreuz unter dem Fenster; an dem grünen Tisch im Seitenschiff, in dem ein Gebetbuch und Karten zum Mitnehmen bereit liegen; in dem großen, mit Sand gefülltem Ständer, in dem Kerzen stehen und entzündet werden können.

Irgendwann fällt mein Blick auch auf das rechte Fenster. Ein Engel hat sich lässig an die Grabplatte gelehnt. Wenig später wird er den Frauen die frohe Botschaft verkünden:

Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier;     er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat;      und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten (Mt 28,5b-7).

Wir brauchen Engel, die für uns da sind. Wir brauchen sie, wenn wir niedergeschlagen sind. Wir brau-chen sie, wenn unser Blick nach unten geht, wenn wir die Hoffnung verloren haben. Wir brauchen ei-nen, der uns anspricht, Mut macht, in Bewegung versetzt. Ich bin mir sicher: jeder Mensch. Das dritte Fenster erinnert mich daran: Wir brauchen einen, der uns aufrichtet; einen, der uns sagt, was wir uns nie sagen könnten; einen, der uns auf Christus verweist, der uns von seinem Sieg erzählt.

Liebe Schwestern und Brüder, auch wenn wir keinen Gottesdienst zusammen feiern können, grüße ich alle mit dem Ostergruß:

Halleluja. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Ihr Pfarrer

                        Udo Arnoldi

p.s.: Ostersonntag, 9.30 Uhr, ZDF, Gottesdienst mit Präses Dr. Annette Kurschus; 9.30-9.45 Uhr Glockengeläut

Gottesdienstzeiten

Sonntags

10.00 Uhr in der Christuskirche

An Feiertagen gelten gelegentlich Sonderzeiten.

 Öffnungszeiten der Christuskirche

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